Das deutschsprachige AJS & Matchless Forum

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#1

Zylinderkopfdichtung Twin

in Mechanik 03.06.2008 19:34
von QP-Rainer | 12 Beiträge

Hallo Jampot-Freunde,
ich habe ein Problem mit den Zylinderkopfdichtungen bei meiner G12 CSR.
Ich möchte mich aber erst kurz vorstellen, da ich hier im Forum noch kaum Kontakt hatte. Ich heiße Rainer, komme aus Lage (Lippe) und gehöre zu den "Ü40". Nach einigen Jahren Motorradabstinenz und der üblichen Biografie mit Heirat, Haus und Kindern, bin ich vor ca. 3 Jahren durch das Zusammentreffen mit einer AJS 18 CS auf einem Oldtimertreffen zu AJS und Matchless gekommen. Die Maschine war einfach genial. Gekauft habe ich dann erst einmal eine 16 MS und vor ca. einem Jahr die Matchless.
Nun zu meinem Problem. Als ich beim Twin die Köpfe abnehmen musste, stellte ich fest, dass die Dichtungen bei beiden Zylindern zwischen den inneren Stehbolzen gerissen und deutlich nach außen gewandert waren(also zwischen beide Zylinder). Nachdem der Motor mit neuen Dichtungen wieder montiert war, haben leider beide Zylinder nach etwa 150km gefressen( trotz vorsichtigster Fahrweise bei 75km/h). Bei der darauffolgenden Demontage sahen die neuen Kopfdichtungen wieder genauso aus. Ist das ein bekanntes Twin-Problem? Gibt es da eine Lösung? Habe ich vielleicht nur schlechte Dichtungen erwischt oder was falsch gemacht? Die Kopfschrauben habe ich übrigens in mehreren Schritten sorgfältig mit dem Drehmomentschlüssel angezogen.
Bevor ich jetzt einen neuen Versuch starte, würde ich gerne einmal von euren Erfahrungen hören.

Bis dann und viele Grüße aus dem Lipperland
Rainer

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#2

RE: Zylinderkopfdichtung Twin

in Mechanik 04.06.2008 07:39
von Wilhelm | 619 Beiträge

Servus,
Zum Kolbenklemmer kann ich da nicht viel sagen, die Ursache muß man suchen. Frisch - zu eng - geschliffen? Hast Dich mit dem Ölhaushalt schon mal beschäftigt? Ein abendfüllendes Programm. (Aber - schau mal ganz ans Ende des Mails)

Gerade bei den 650ern hat es auch bei uns (4-Mann.Privatschrauberwerkstatt) immer Probleme mit den Dichtungen zur Mitte hin gegeben.
Selbstverständlich nehme ich an, daß die Köpfe plan sind?
Obwohl bei mir kein Mangel an neuen Dichtungen besteht, haben wir uns dann entschlossen, neue Dichtungen aus ca. 1mm-Kupferblech zu schneiden. Eine etwas pitzelige Arbeit, hat sich aber gelohnt. Seitdem keine - keinerlei - Undichtheit mehr, etwas mehr Kompression wegen der Dicke der Dichtung gegenüber original. Wir haben auch die kleinen Löcher für die Ölbohrung zu den Köpfen etwas grösser gebohrt und kleine O-Ringe eingelegt.
Also, Kupferdichtungen mit der Laubsäge ausschneiden, glühend machen und im Wasser abschrecken, da werden sie schön weich, und dann montieren, wie Du es gemacht hast.

Und Du weisst ja: Kopfschrauben handfest anziehen, dann das Vergasermanifold montieren, weil da richten sich die Köpfe ein, und dann erst die Kopfschrauben anziehen auf Drehmoment. (Weil die Köpfe kann man ja trotz Bolzen hin- und herbewegen)
Warmfahren, nach dem Auskühlen wieder mit dem Drehmomentschlüssel....und das so oft, bis die Dichtung sich nicht mehr setzt. Aber immer GUT auskühlen lassen.

Halt: Vielleicht hast Du das Vergaser-Aluteil nicht vorher angezogen, daher die zwei Dichtflächen zwischen Zylinderköpfen und Ansaugstück undicht - Nebenluft - zu mager zu heiss - festgegangen.

Kann das sein???? Kontrollier mal darauf.

Unbedingt zuerst Vergaserstück anziehen, dann erst die Köpfe!!!!

Beste...


Grüsse
Wilhelm aus Wien
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#3

RE: Zylinderkopfdichtung Twin

in Mechanik 05.06.2008 00:35
von QP-Rainer | 12 Beiträge

Hallo Wilhelm,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Da die Originaldichtung anscheinend zwischen den Zylindern aufgrund der schmalen Auflagefläche zu stark gepresst wird, hatte ich auch schon einmal an ein stabileres Material gedacht. Eure Erfahrungen bestätigen meine Vermutung.

Dann werde ich mal die Laubsäge auspacken und mir Blech besorgen. Für meine 350er habe ich die Kopfdichtung auch aus 0,7mm Kupferblech hergestellt, ich war mir beim Twin aber nicht sicher, wie ich die Ölkanäle am besten abdichte. Kannst du mir vielleicht noch einen Tipp geben, wie dick wohl das Gummi des O-Rings bei 1mm Blechstärke am besten ist? Hast du bei den Stößelkanälen auch einen Ring mit in die Dichtung gelegt oder sind sie auch ohne dicht geworden? Ist ja auch nur eine drucklose Rücklaufleitung.
Das mit dem Vergaseransaugstutzen habe ich genauso gehandhabt, wie du es beschrieben hast. Waren die Zylinder wohl doch etwas zu eng mit 10/100 - 11/100? Mit welchem Einbauspiel arbeitet ihr?

Mit dem Ölhaushalt habe ich mich beschäftigt, seitdem der Motor letztes Jahr mit ziemlich fiesen Geräuschen den Dienst einstellte. Einer meiner Vorgänger hat nämlich an diesem Motor, wie ich beim Zerlegen festgestellt habe, den Auslassnockenwellentunnel mit einer flachen Schraube der Einlassnockenwelle verschlossen. Dadurch wurde der Distributor nicht an die Nockenwelle gedrückt und konnte sich nicht drehen. Der Ventiltrieb bekam dadurch sicherlich sehr wenig Öl. Alle Kipphebel waren stark ausgeschlagen und einer ging regelrecht schwer. Dadurch muß eine Stößelstange aus dem Schlepphebel gesprungen sein. Resultat: Stößelstange zermahlen, Schlepphebel gebrochen und das Kurbelgehäuse nach innen ausgebrochen.
Aber ich denke, wenn ich jetzt noch die Köpfe dicht bekomme, habe ich viel gelernt und den Motor endlich am Laufen. Der Öldruck ist bei kaltem Motor ca. 8 bar.
Gruß
Rainer

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#4

RE: Zylinderkopfdichtung Twin

in Mechanik 05.06.2008 06:53
von Wilhelm | 619 Beiträge

Servus,
Öldruck kalt ist sehr schön.,aber schau mal, was Du heiss hast. Hat mich gerade ein Österreicher kontaktiert, der auch 7 - 8 bar kalt hatte, aber nach etwas Warmlaufen fiel der Öldruck auf 0,2 bar ab, und das ist zu wenig.

Nein, wir haben für die Stössellöcher keine O-Ringe gesetzt, und unsere Kupferdichtung war knapp 1mm stark, wir haben dafür O-Ringe eingelegt, die 1,5 mm Gummistärke hatten. Man muß nur das Loch etwas grösser machen, damit der Gummiüberstand etwas ausweichen kann und nicht das Loch zumacht.
Wenn ich Kolben brauche, schaue ich immer, daß ich Kolben von JP bekomme. (Werden in Australien gefertigt) Die haben einen Zettel beigepackt, wo das Einbauspiel der Kolben handschriftlich angegeben ist. Meist so, wie Du sagst, 1/10 bis 11/100.
Wenn Du aber italienische Kolben hast, diese GBP glaub ich heissen die, die sind bekannt dafür, daß sie weiter aufgehen in der Hitze und vor allem schwerer sind als die originalen.
Aber wenn der Motor nicht schwer gerieben hat, etwas nachputzen.,Aluablagerungen (mit Ätznatron, glaub ich mich zu erinnern) herausätzen, und wieder zusammenbauen.

Grüsse
Wilhelm


Grüsse
Wilhelm aus Wien
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#5

RE: Zylinderkopfdichtung Twin

in Mechanik 06.06.2008 10:12
von matman | 1.005 Beiträge

Hallo Rainer,

ich kann alles nur bestätigen, was hier in diesem Thread - insb. vom Wiener Wilhelm - ausgeführt wurde. Die Schwäche der Twin-Kopfdichtungen "zur Mitte hin" ist auch mir schon zum Verhängnis geworden, das von W. beschriebene Procedere mit mehrfachem Nachziehen der Zylinderkopfmuttern ist unbedingt einzuhalten.
Dass Dir das allerdings trotz äußerst verhaltener Fahrweise schon nach so kurzer Fahrtstrecke wieder opassiert ist, legt allerdings nahe, nicht nur die Köpfe, sonder auch die Zylinder mal auf Planheit der Dichtflächen (und andere Unregelmäßigkeiten) zu untersuchen.

Die Erfahrung mit der Sensibilität hinsichtlich des Festziehens des Inlet Manifolds habe ich nicht gemacht - nach Wilhelms Methode bin ich bisher nie vorgegangen (schäm... ), habe allerdings bisher auch noch nie einen einschlägigen Defekt zu beklagen gehabt.

Was die Abdichtung der Ölkanäle (Steigleitungen) beim Twin angeht, ist in der Tat höchste Sorgfalt angezeigt. Von den Zylinderfüßen bis oben in den Kopf gibt es reichlich Gelegenheit, den Ölfluss durch Unwissen, Pfusch oder fehlerhaftes Material zum Erliegen zu bringen. Mich hat meine Unwissenheit zwei eingelaufene Kipphebelwellen gekostet.
Was die O-Ringe angeht: die sollten zumindest so dimensioniert sein, dass sie nicht aus Versehen in die Ölleitung rutschen...
...und schau bei der Gelegenheit nach den Reduzierstücken in den Zylinderköpfen, je nach Jahrgang sind die Ölleitungen im Kopf mal durch eingepresste Hülsen verengt (wohl zur Erzeugung eines definierten Mindestöldrucks), mal nicht. AMC hat da wohl von Jahr zu Jahr unterschiedliche Taktiken verfolgt. Wenn sie vorhanden sind, dann bitte in beiden Köpfen. (Als ich bei meinem Twin zum ersten Mal die Köpfe abnahm, war auf der einen Seite ein 500er drauf, mit Reduzierhülsen und kleinen Ventilen, auf der anderen Seite ein 600er [größere Ventile, keine Reduzierhülsen].)

Gutes Gelingen & cheers, Jan

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